Wann verkauft man ein LEGO-Investment am besten? Diese Frage beschäftigt mich bei meinen eigenen Sets immer wieder. Ein Jahr nach EOL? Nach drei Jahren? Oder einfach so lange warten, bis irgendwann der höchste Preis erreicht ist?
Ich glaube, genau da machen wir es uns manchmal zu einfach. Natürlich freue ich mich, wenn ein Set im Wert steigt. Aber wenn ich fünf Jahre länger warte und am Ende vielleicht nur noch zehn Prozent mehr bekomme, muss ich mich schon fragen, ob sich das wirklich gelohnt hat. Schließlich liegt das Geld die ganze Zeit im Lager. Und mit dem Geld könnte ich auch neue LEGO-Sets kaufen.
Ich versuche deshalb schon beim Einkauf einen guten Preis zu erwischen, häufig etwa 35 bis 38 Prozent unter UVP. Aber irgendwann muss man auch verkaufen. Und dafür schaue ich mir inzwischen nicht nur an, wie hoch der Preis ist, sondern vor allem, wie sich das Set in den letzten Monaten entwickelt hat.
Ich glaube, die größten Sprünge kommen oft relativ früh
Mein Gefühl aus den vergangenen Jahren ist, dass viele Sets gerade nach dem EOL einen ordentlichen Sprung machen können. Die günstigen Händlerangebote verschwinden langsam, die Restbestände werden weniger und auf einmal kostet ein Set deutlich mehr als noch ein paar Monate vorher.
Das kann nach einem halben Jahr passieren, manchmal erst nach ein oder zwei Jahren. Und natürlich gibt es auch Sets, bei denen selbst nach mehreren Jahren kaum etwas passiert.
Was ich aber spannend finde: Irgendwann wird die Preisentwicklung bei manchen Sets deutlich ruhiger. Der große Sprung ist geschafft, danach bewegt sich der Preis vielleicht nur noch langsam. Genau dann würde ich mir überlegen, ob ich das Set wirklich noch weitere Jahre behalten möchte.
Das ist keine feste Regel für alle LEGO-Sets. Es ist eine Beobachtung, die ich mit den Preisverläufen im Brick-Tracker immer wieder überprüfe.
100 Prozent Wertsteigerung – aber wie lange hat es gedauert?
Nehmen wir zwei einfache Beispiele. Beide Sets hatten eine UVP von 100 Euro und stehen irgendwann bei 200 Euro. Auf den ersten Blick haben beide 100 Prozent zugelegt. Aber was ist, wenn das erste Set dafür nur zwei Jahre gebraucht hat und das andere acht?
Das macht einen gewaltigen Unterschied. Wenn ich tatsächlich für 100 Euro gekauft und für 200 Euro verkauft hätte, wären das rechnerisch rund 41 Prozent Rendite pro Jahr bei zwei Jahren Haltedauer. Bei acht Jahren wären es nur rund neun Prozent pro Jahr. Gebühren, Versand und Steuern sind dabei noch nicht berücksichtigt.
| Beispiel | Von | Auf | Dauer | Rechnerisch pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Schneller Preisanstieg | 100 € | 200 € | 2 Jahre | ca. 41,4 % |
| Langsamer Preisanstieg | 100 € | 200 € | 8 Jahre | ca. 9,1 % |
| Nach dem großen Sprung | 200 € | 220 € | 3 weitere Jahre | ca. 3,2 % |
Gerade das letzte Beispiel finde ich wichtig: Wenn mein Set schon bei 200 Euro steht und ich dann drei Jahre warte, um vielleicht noch 20 Euro mehr zu bekommen, wäre das für mich nicht unbedingt attraktiv. Ich könnte das Kapital in der Zeit längst wieder in andere Sets stecken. Die Tabelle ist natürlich nur ein Rechenbeispiel und kein tatsächlicher Preisverlauf.
Was zeigen die aktuellen Brick-Tracker-Daten?
Ich habe mir dafür die Marktanalyse mit den EOL-Jahren 2022 bis 2026 angesehen, und zwar über alle Themenwelten und Preisklassen. Bei den letzten 90 Tagen zeigt der Export vom 16. Oktober 2026 insgesamt 2.079 Sets. Davon liegen 960 über UVP, 1.015 unter UVP und 1.285 sind in den vergangenen 90 Tagen gestiegen.
Schon diese Zahlen zeigen mir: Nur weil ein Set EOL ist, muss es noch lange nicht automatisch über UVP liegen. Und ein Anstieg in den letzten 90 Tagen bedeutet auch nicht, dass das Set insgesamt ein gutes Investment war. Ein Teil der Sets liegt genau auf UVP oder hat keinen vergleichbaren Wert; deshalb gehen die Zahlen über und unter UVP nicht genau auf 2.079 auf.
2026 ist außerdem noch nicht vorbei. Deshalb würde ich den aktuellen Jahrgang bei einer reinen Nach-EOL-Betrachtung nicht mit den älteren Jahrgängen in einen Topf werfen.
Sieben Sets, bei denen man den Unterschied gut sieht
Ich habe bewusst nicht einfach die sieben größten Gewinner genommen. Interessanter finde ich Sets, bei denen man sieht, wie unterschiedlich sich der Markt entwickeln kann.
| LEGO-Set | EOL | UVP | Händlerpreis | Gegenüber UVP | Letzte 90 Tage |
|---|---|---|---|---|---|
| 60315 – Mobile Polizei-Einsatzzentrale | 2023 | 44,99 € | 119,99 € | +166,7 % | +42,8 % |
| 42129 – Mercedes-Benz Zetros | 2023 | 329,99 € | 219,00 € | −33,6 % | +12,9 % |
| 60389 – City Autowerkstatt | 2024 | 49,99 € | 99,88 € | +99,8 % | +38,7 % |
| 75313 – UCS AT-AT | 2024 | 849,99 € | 1.350,00 € | +58,8 % | +12,6 % |
| 60418 – Polizeitruck mit Labor | 2025 | 54,99 € | 99,99 € | +81,8 % | +78,6 % |
| 76178 – Daily Bugle | 2025 | 349,99 € | 549,00 € | +56,9 % | +37,6 % |
| 10297 – Boutique-Hotel | 2025 | 229,99 € | 246,28 € | +7,1 % | +12,5 % |
Stand: Brick-Tracker-Datenexport vom 16.10.2026, EOL 2022–2026. Die Preise sind erfasste Händlerangebote, keine nachgewiesenen Verkaufspreise auf dem Zweitmarkt. Bei wenigen Händlern kann ein einzelnes Angebot den angezeigten Preis stark beeinflussen.
Schauen wir uns beispielsweise den 75313 AT-AT an. Das Set liegt mittlerweile deutlich über UVP. Das ist schon eine beeindruckende Entwicklung, gerade bei einem so teuren Modell. Beim 42129 Mercedes-Benz Zetros sieht es ganz anders aus: Der Preis ist zwar in den letzten 90 Tagen gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter der ursprünglichen UVP.
Oder nehmen wir den 60418 Polizeitruck mit Labor. Der ist innerhalb von 90 Tagen kräftig gestiegen. Das heißt aber nicht automatisch, dass ich ihn jetzt zu diesem Händlerpreis auch sofort privat verkaufen könnte. Beim 10297 Boutique-Hotel sieht man wiederum, dass selbst ein beliebtes Set nach EOL nicht gleich riesige Sprünge machen muss.
Deshalb öffne ich bei solchen Sets immer auch den Preisverlauf. Mich interessiert, ob der Preis über längere Zeit steigt oder ob gerade nur die letzten günstigen Angebote verschwunden sind.
Wann ist für mich der Punkt erreicht, an dem ich verkaufe?
Das ist tatsächlich eine Frage, die ich mir bei meinen eigenen LEGO-Investments immer wieder stelle. Wie lange sollte ich ein Set eigentlich liegen lassen? Zwei Jahre, fünf Jahre oder vielleicht sogar zehn?
Ich persönlich glaube, dass bei vielen Sets die größten Preissprünge relativ schnell nach dem EOL passieren. Vielleicht schon nach sechs Monaten, vielleicht erst nach ein oder zwei Jahren. Aber irgendwann kommt eben auch der Punkt, an dem sich beim Preis nicht mehr besonders viel bewegt.
Und genau dann wird es für mich interessant. Warum sollte ich ein Set noch weitere fünf Jahre einlagern, wenn es in dieser Zeit vielleicht nur noch zehn oder zwanzig Prozent steigt? Dann könnte ich das Geld genauso gut nehmen und in neue Sets investieren, bei denen ich wieder deutlich mehr Potenzial sehe.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Manche LEGO-Sets steigen auch nach vielen Jahren noch ordentlich im Wert. Andere erreichen dagegen relativ früh einen hohen Preis und bleiben anschließend lange auf diesem Niveau.
Deshalb schaue ich mir bei Brick-Tracker nicht nur an, wie viel ein Set mittlerweile über der UVP liegt, sondern auch, wie sich der Preis in den letzten Monaten entwickelt hat. Und genau das ist für mich die eigentliche Frage beim Verkaufen: Wie viel Potenzial steckt noch in dem Set, und wäre mein Geld vielleicht woanders besser angelegt?
Über UVP bedeutet noch lange nicht, dass ich so viel verdiene
Das ist mir bei dem Thema immer wichtig. Die UVP ist erst einmal nur ein Vergleichswert. Wenn ich ein Set mit 38 Prozent Rabatt gekauft habe, kann ich möglicherweise schon Gewinn machen, obwohl der aktuelle Preis noch unter UVP liegt.
Ein einfaches Beispiel: Ich kaufe ein Set mit 100 Euro UVP für 62 Euro und verkaufe es später tatsächlich für 100 Euro. Ziehen wir beispielhaft zehn Euro Verkaufsgebühren und acht Euro für Versand und Verpackung ab, bleiben 82 Euro übrig. Das sind 20 Euro Gewinn auf meinen Einkauf von 62 Euro, also rund 32 Prozent – vor Steuern, Lagerkosten und meiner Arbeitszeit.
Andersherum bringt es mir wenig, wenn ein Händler ein seltenes Set für 300 Euro anbietet, ich selbst aber keinen Käufer zu diesem Preis finde. Genau deshalb unterscheide ich immer zwischen den Händlerpreisen in der Marktanalyse und dem, was beim tatsächlichen Verkauf am Ende auf meinem Konto landet.
So schaue ich mir meine Sets vor dem Verkauf an
Wenn ich überlege, etwas aus meinem Lager zu verkaufen, schaue ich zuerst in die Brick-Tracker-Marktanalyse. Dort kann ich die EOL-Jahre eingrenzen und mir anschauen, welche Sets in den letzten 90, 180 oder 365 Tagen gestiegen sind.
Danach öffne ich den Preisvergleich und vor allem den Chart des einzelnen Sets. Gab es einen großen Sprung? Geht es seit Monaten eher seitwärts? Sind noch mehrere Händler mit vernünftigen Preisen dabei? Und was würde nach Gebühren und Versand bei einem Verkauf wirklich übrig bleiben?
Wenn ich von einem Set viele Exemplare habe, kommt noch etwas dazu: Ich kann nicht einfach davon ausgehen, dass ich alle auf einmal zum gleichen Preis verkaufen kann. Manchmal ist es sinnvoller, nach und nach zu verkaufen und einen Teil des Bestands erst einmal zu behalten.
Meine Einkaufspreise und Bestände kann ich außerdem im Brick-Tracker Investment-Tool verfolgen. Das macht es leichter, nicht nur auf den aktuellen Preis zu schauen, sondern auch auf das Geld, das ich ursprünglich eingesetzt habe.
Mein Fazit: Lieber eine gute Rendite mitnehmen, als ewig auf den letzten Euro warten
Ich finde es natürlich spannend, wenn ein LEGO-Set irgendwann 100 oder sogar 200 Prozent über UVP liegt. Aber für mich ist noch spannender, wie lange es bis dahin gedauert hat.
Ich muss nicht bei jedem Set den absoluten Höchstpreis erwischen. Wenn ich eine gute Rendite erreicht habe und das Geld anschließend wieder sinnvoll investieren kann, ist das für mich häufig die bessere Lösung, als noch jahrelang auf ein paar zusätzliche Prozent zu hoffen.
Ob die größten Preissprünge tatsächlich bei den meisten Sets in den ersten sechs bis 24 Monaten nach EOL passieren, lässt sich aus dieser Momentaufnahme noch nicht sicher sagen. Dafür müssten wir die alten Preisverläufe gezielt vergleichen. Bis dahin bleibt es meine Einschätzung aus der Praxis – und genau deshalb finde ich es so interessant, die Entwicklung mit Brick-Tracker weiter zu beobachten.
Weitere Artikel und Erfahrungen
- LEGO verkaufen: Welche Plattformen lohnen sich?
- Welche EOL-Sets sich tatsächlich aus meinem Lager verkaufen
- Meine Verkäufe und die echte Rendite
Mehr zu meinen Erfahrungen und Fehlern erzähle ich auch in meinem YouTube-Video über LEGO-Investments. Die weiteren Brick-Tracker-Werkzeuge findest du unter brick-tracker.de/app.php.