LEGO ist teuer – darüber müssen wir nicht diskutieren
Ich habe in letzter Zeit wieder mehrere Artikel gesehen, in denen riesige Klemmbaustein-Sets von Mould King als günstige Alternative zu LEGO Star Wars vorgestellt werden. Und wenn man nur auf Zahlen schaut, ist das erst einmal beeindruckend.
Ein gutes Beispiel ist ein großer Mould-King-Kreuzer mit 6.685 Teilen und rund 1,2 Metern Länge, der optisch sehr deutlich an einen Venator aus Star Wars erinnert. Solche Modelle werden teilweise für etwas über 200 Euro angeboten. Der offizielle LEGO Star Wars Venator 75367 hat 5.374 Teile, ist 109 Zentimeter lang und kostet bei LEGO regulär 649,99 Euro.
Natürlich denkt man da sofort: Warum sollte ich das Dreifache bezahlen?
Und ganz ehrlich: LEGO ist teuer. Das sage ich selbst oft genug. Ich kaufe viele Sets überhaupt erst, wenn sie 35 oder 40 Prozent Rabatt erreicht haben. Für mich ist also keineswegs jede LEGO UVP automatisch gerechtfertigt.
Mehr Steine für weniger Geld ist aber nicht die ganze Rechnung
Genau an diesem Punkt wird mir der Vergleich oft zu einfach. Bei einem offiziellen LEGO Star Wars Set zahle ich eben nicht nur Kunststoff und Steine. LEGO arbeitet offiziell mit Lucasfilm zusammen, entwickelt ein eigenes Produkt, bezahlt Mitarbeiter, Marketing, Vertrieb und natürlich spielt auch die Lizenz eine Rolle.
Bei vielen Alternativmodellen werden dagegen Begriffe wie Star Wars, Venator oder Sternenzerstörer bewusst nicht verwendet. Das Modell heißt dann anders, obwohl jeder auf den ersten Blick erkennt, woran es erinnert.
Das bedeutet nicht automatisch, dass so ein Set illegal ist. Genau da möchte ich ausdrücklich vorsichtig sein. Rechtlich gibt es eben nicht nur die Frage, ob ein Klemmbaustein kompatibel sein darf. Daneben können je nach Produkt auch Designrechte, Markenrechte und Urheberrechte eine Rolle spielen. Ob ein konkretes Modell Rechte verletzt, ist deshalb eine Einzelfallfrage und nichts, was ich pauschal beurteilen möchte.
Alternative Klemmbausteine finde ich grundsätzlich völlig okay
Mir geht es überhaupt nicht darum zu sagen: Nur LEGO darf Klemmbausteine herstellen. Im Gegenteil. Konkurrenz finde ich gut. Wenn CaDA, BlueBrixx, Mould King oder ein anderer Hersteller ein tolles eigenes Modell entwickelt, finde ich das absolut legitim.
Und wenn ein anderer Hersteller bessere Teilequalität, mehr Funktionen oder einen deutlich besseren Preis bietet, dann darf LEGO sich diese Kritik auch gefallen lassen.
Meine persönliche Grenze beginnt dort, wo der eigentliche Verkaufspunkt eines Produkts praktisch nur noch lautet: „Das sieht fast genauso aus wie das bekannte Original – nur deutlich billiger.“
Bei MOCs wird es für mich noch persönlicher
Ein zweiter Punkt ist das Thema MOCs, also „My Own Creations“. Hinter einem richtig guten MOC können Monate Arbeit stecken. Jemand entwickelt das Modell, testet Bauabschnitte, korrigiert Fehler und erstellt teilweise hunderte Seiten Anleitung.
Wenn ein Hersteller mit so einem Designer zusammenarbeitet und ihn bezahlt: wunderbar. Genau so sollte es sein.
Wenn aber ein fremdes Design einfach übernommen würde, ohne dass der ursprüngliche Designer gefragt oder beteiligt wird, fände ich das persönlich nicht in Ordnung – vollkommen unabhängig davon, ob der Geschädigte LEGO, ein kleiner MOC-Bauer oder irgendein anderes Unternehmen ist.
„LEGO ist ein Milliardenkonzern“ überzeugt mich nicht
Das Argument höre ich bei dem Thema relativ häufig: LEGO sei groß genug und könne das verkraften.
Für mich ist das aber eine komische Grenze. Stellen wir uns das Ganze einmal andersherum vor: Eine kleine Firma entwickelt ein richtig gutes Raumschiff, investiert Geld in Design und Entwicklung – und anschließend baut ein riesiger Konzern etwas, das praktisch genauso aussieht, nur günstiger. Würden wir dann immer noch sagen: Ist doch egal?
Ich wahrscheinlich nicht.
Deshalb möchte ich dieselbe Messlatte auch dann anlegen, wenn das Unternehmen auf der anderen Seite LEGO heißt.
Mein Fazit: LEGO darf kritisiert werden – aber günstig ist nicht automatisch besser
Ich kann jeden verstehen, der sagt: 650 Euro für einen LEGO Venator sind mir einfach zu viel. Mir persönlich wäre die UVP ebenfalls zu hoch und genau deshalb gibt es für mich Preisvergleich, Rabatte und Deal-Alarme.
Ich kann auch verstehen, wenn jemand lieber ein Modell mit 6.000, 8.000 oder 10.000 Steinen von einem anderen Hersteller baut. Alternative Klemmbausteine sind für mich nicht das Problem.
Ich finde nur, dass wir beim Preisvergleich nicht vergessen sollten, was hinter einem Produkt steckt: eigene Entwicklung, Lizenzen, die Arbeit eines Designers und geistiges Eigentum.
Mein persönlicher Grundsatz wäre deshalb ziemlich einfach: Konkurrenz ja. Eigene Ideen ja. Autorisierte MOCs ja. Aber nur weil ein Produkt teuer ist, wird eine möglichst genaue Kopie für mich moralisch nicht automatisch richtig.
Mich würde tatsächlich interessieren, wo ihr eure Grenze zieht: Ist für euch am Ende nur Preis und Modell wichtig – oder spielt auch eine Rolle, wer das Design entwickelt und die Lizenz bezahlt hat?